Die Entscheidung hat in Zürich und Frankfurt für Aufsehen gesorgt. Der Deutsche Fußball-Bund, DFB, wird den Unterstützungsbrief für eine erneute Kandidatur von FIFA-Präsident Gianni Infantino nicht unterzeichnen. Damit verweigert der mitgliederstärkste Verband der Welt dem Schweizer Funktionär zum zweiten Mal in Folge die offizielle Rückendeckung aus Deutschland.
Der Grund für die Zurückhaltung liegt laut DFB-Spitze in grundsätzlichen Bedenken. Man verweise auf Reformbedarf bei Governance, Menschenrechten und Transparenz innerhalb des Weltverbandes. Deutschland habe in den vergangenen Jahren mehrfach auf strukturelle Änderungen gedrängt, etwa bei der Vergabe von Weltmeisterschaften, bei der Rolle der Spielergewerkschaften und bei der Einhaltung von Arbeits- und Menschenrechtsstandards in Ausrichterländern. Diese Forderungen seien bislang nur unzureichend umgesetzt worden. Eine pauschale Unterstützung ohne konkrete Zusagen passe daher nicht zur Rolle des DFB.
Infantino braucht für eine offizielle Kandidatur die Unterstützung von mindestens fünf Mitgliedsverbänden. Die Hürde ist niedrig, dennoch hat die fehlende Unterschrift aus Deutschland Symbolkraft. Der DFB gilt als einflussreicher Akteur in Europa und als Stimme, die in der UEFA gehört wird. Wenn Berlin zögert, folgen erfahrungsgemäß auch andere europäische Verbände mit kritischen Fragen.
Aus dem Umfeld der FIFA heißt es, man bedauere die Haltung des DFB, respektiere sie aber. Infantino habe in seiner bisherigen Amtszeit die FIFA finanziell stabilisiert, die Klub-WM ausgeweitet und die WM auf 48 Teams vergrößert. Damit seien die Einnahmen gestiegen und mehr Verbände weltweit profitierten von Förderprogrammen. Kritiker werfen ihm im Gegenzug vor, Macht zu zentralisieren und Entscheidungen im engen Kreis zu treffen. Besonders die Vergaben der WM 2030 und 2034 sowie die Nähe zu einzelnen Staatsführungen stehen in der Kritik.
Innerhalb Deutschlands ist die Entscheidung umstritten. Befürworter sagen, der DFB müsse klare Kante zeigen und dürfe sich nicht zum Erfüllungsgehilfen machen. Kritiker warnen, man isoliere sich und verspiele Einfluss. Ohne einen Sitz am Tisch, so das Argument, könne man Reformen erst recht nicht durchsetzen.
Sportpolitisch kommt das Nein zu einem heiklen Zeitpunkt. Die UEFA wählt 2027 einen neuen Präsidenten, und die Debatte um Kalender, Klubwettbewerbe und Geldverteilung wird schärfer. Deutschland will sich hier als Vermittler positionieren. Ein Blankoscheck für Infantino hätte diese Rolle geschwächt.
Ob Infantino die fehlende deutsche Stimme schmerzt, ist offen. Er verfügt über breite Unterstützung in Afrika, Asien und Mittelamerika. Doch das Signal aus Europa ist eindeutig: Vertrauen muss man sich verdienen. Und solange es bei Zusagen bleibt, wird Deutschland den Stift für den Unterstützungsbrief nicht zücken.
