Vom Fabrikarbeiter zum WM-Star – Deutschlands Superjoker Undav
Deniz Undav hatte offen über seinen Wunsch gesprochen, sich einen Stammplatz in der deutschen Nationalmannschaft zu erkämpfen. Doch anstatt ihn zu bestärken, warnte Bundestrainer Julian Nagelsmann den Angreifer davor, sich mit solchen Aussagen unnötig unter Druck zu setzen. Der ehemalige Trainer von RB Leipzig und Bayern München scherzte sogar, dass Undav wahrscheinlich nicht getroffen hätte, wenn er von Beginn an gespielt hätte. Später verriet Nagelsmann jedoch, dass er sich bei seinem Stürmer für diese Aussage entschuldigt habe.
Undav ließ daraufhin seine Leistungen auf dem Platz sprechen – und zwar eindrucksvoll. Mit seinen Toren hat er sich inzwischen ernsthaft für einen Platz in der Startelf bei der Weltmeisterschaft empfohlen. Nach seinem jüngsten Doppelpack erhöhte er seine Bilanz auf neun Tore in elf Länderspielen.
„Ja, definitiv“, sagte Nagelsmann nach dem Sieg am Samstag auf die Frage, ob Undav im letzten Gruppenspiel Deutschlands gegen Ecuador am Donnerstag (21:00 Uhr BST) von Beginn an spielen könne. „Wir können viel über verschiedene Ansätze sprechen. Warum sollte ich seinen Lauf stoppen? Er wurde zweimal eingewechselt und hat zweimal getroffen.“
Es ist nur das neueste Kapitel einer bemerkenswerten Karriere eines Spielers, der immer wieder Erwartungen übertroffen hat.
Mit seinem Doppelpack gegen die Elfenbeinküste wurde Undav der erste deutsche Spieler seit Miroslav Klose im Jahr 2002, der bei seinen ersten beiden Weltmeisterschaftseinsätzen jeweils ein Tor erzielte.
Heute befindet sich Undav in bester Gesellschaft, doch der Weg dorthin war alles andere als einfach. Mit 14 Jahren wurde er von Werder Bremen aussortiert. Die Verantwortlichen erklärten ihm damals, er sei zu klein und habe keine Zukunft im Verein.
„Als Werder mir mit 14 sagte, dass ich keine Zukunft bei ihnen hätte, weil ich zu klein sei, brach es mir das Herz“, erklärte Undav in einem Interview mit dem belgischen Medium 7sur7. „Aber ich habe die Hoffnung nie aufgegeben.“
Mit 17 Jahren verließ er sein Elternhaus und unterschrieb beim TSV Havelse in der vierten deutschen Liga. Dort verdiente er nur rund 120 Pfund pro Woche als Halbprofi. Um seinen Lebensunterhalt zu sichern, arbeitete er zusätzlich acht Stunden täglich in einer Fabrik an einer Lasermaschine.
„Ich stand morgens gegen vier Uhr auf, ging in die Fabrik, danach zum Training und kam erst gegen 20 Uhr nach Hause. Am nächsten Tag begann alles wieder von vorne“, erinnerte sich Undav. „Ich musste diesen Job machen, um leben zu können, weil ich vom Fußball allein nicht überleben konnte.“
Im Jahr 2020 wechselte Undav zum belgischen Zweitligisten Union Saint-Gilloise. Dort entwickelte er sich zu einem der besten Stürmer des Landes. Er führte den Klub zum Aufstieg und erzielte anschließend 25 Tore in der höchsten belgischen Spielklasse.
Diese Leistungen brachten ihm einen Wechsel in die Premier League zu Brighton & Hove Albion ein. Doch nach lediglich fünf Toren in 22 Ligaspielen in der Saison 2022/23 wurde er an den VfB Stuttgart ausgeliehen.
In Stuttgart fand Undav schließlich sein Glück. Der Bundesligist verpflichtete ihn 2024 fest, und der Angreifer zahlte das Vertrauen eindrucksvoll zurück. In der Saison 2025/26 erzielte er 19 Bundesliga-Tore und musste sich in der Torjägerliste nur Harry Kane geschlagen geben.
Diese herausragenden Leistungen brachten ihm schließlich einen Platz im deutschen WM-Kader ein. Heute gilt Deniz Undav nicht mehr nur als Joker, sondern als ernsthafter Kandidat für die Startelf. Seine Geschichte zeigt, dass harte Arbeit, Geduld und Entschlossenheit selbst die größten Rückschläge überwinden können – vom Fabrikarbeiter zum Star auf der größten Fußballbühne der Welt.
