Portugal MUSS Cristiano Ronaldo nicht aus der Mannschaft nehmen – aber Roberto Martínez muss lernen, wann er seinen Superstar auswechseln sollte, sonst droht die nächste Enttäuschung bei einer Weltmeisterschaft.
Ein weiteres großes Turnier, eine weitere Debatte über die anhaltende Rolle von Cristiano Ronaldo in der portugiesischen Nationalmannschaft.
Der unauffällige Auftritt des erfahrenen Stürmers im WM-Auftaktspiel gegen die Demokratische Republik Kongo hat die mittlerweile regelmäßig wiederkehrende Diskussion neu entfacht, ob er mit seinen 41 Jahren noch immer einen Stammplatz in der Seleção verdient. Allerdings sollte niemand damit rechnen, dass sich daran etwas ändert, solange Roberto Martínez Trainer bleibt. Dennoch muss der Nationalcoach lernen, im richtigen Moment einzugreifen.
Während viele der größten Stars des Weltfußballs in der ersten Runde der Weltmeisterschaft glänzten, sorgte Ronaldo mit seiner Leistung gegen die DR Kongo aus den falschen Gründen für Schlagzeilen. Dem portugiesischen Rekordtorschützen gelang kein einziger Schuss auf das Tor.
Als isolierte Spitze hatte Ronaldo gegen den afrikanischen Außenseiter kaum Einfluss auf das Spiel. Portugal, das vor dem Turnier zu den Favoriten gezählt wurde, kam nicht über ein enttäuschendes Unentschieden hinaus. Besonders kritisiert wurde die Entscheidung von Martínez, Ronaldo die kompletten 90 Minuten auf dem Platz zu lassen.
Fast fünf Jahre nach seinem letzten Turniertor aus dem Spiel heraus wird Martínez ernsthafte Fragen beantworten müssen, falls die alternde Fußball-Ikone auch gegen den WM-Debütanten Usbekistan nicht überzeugen kann. Der Trainer hält weiterhin unbeirrt an seinem Kapitän fest.
Während andere Weltstars wie Lionel Messi, Kylian Mbappé, Erling Haaland und Harry Kane in ihren ersten WM-Spielen jeweils mindestens zwei Tore erzielten und ihre Teams entscheidend prägten, erlebte Ronaldo einen enttäuschenden Auftakt.
Der 41-Jährige gab zwar drei Schüsse ab, doch keiner davon fand den Weg auf das Tor. Zwei Möglichkeiten waren durchaus vielversprechend, doch beide Abschlüsse setzte er neben das Gehäuse.
Diese vergebenen Chancen erwiesen sich letztlich als kostspielig. Die „Leopards“ aus dem Kongo kamen durch einen Kopfballtreffer von Yoane Wissa in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit zum überraschenden Ausgleich. Portugal gelang es anschließend nicht, den Siegtreffer zu erzielen. Ronaldo blieb weitgehend wirkungslos und verzeichnete im gesamten Spiel lediglich neun Ballkontakte.
Nach der Partie verteidigte Martínez seinen Stürmer erneut und stellte sich demonstrativ hinter die Entscheidung, ihn bis zum Schlusspfiff auf dem Feld zu lassen.
„Es ergibt keinen Sinn, den besten Torschützen des Weltfußballs auszuwechseln, wenn man Tore braucht“, erklärte Martínez. Gleichzeitig betonte er, dass es keinen Grund zur Panik gebe.
„Die Weltmeisterschaft ist ein Turnier, bei dem solche Dinge passieren. Argentinien verlor 2022 gegen Saudi-Arabien und wurde später Weltmeister. Spanien verlor 2010 gegen die Schweiz und gewann anschließend ebenfalls den Titel. Das waren keine Leistungen, die auf einen späteren Weltmeister hindeuteten, aber genau das gehört zum Prozess dazu“, sagte Martínez.
Trotz dieser Vergleiche wächst der Druck auf den portugiesischen Nationaltrainer. Sollte Ronaldo auch in den kommenden Spielen keine entscheidende Rolle spielen, könnte die Diskussion über seine Position in der Startelf noch intensiver werden. Portugal verfügt über zahlreiche talentierte Offensivspieler, doch solange Martínez auf seinen legendären Kapitän setzt, bleibt Cristiano Ronaldo das Gesicht und der Mittelpunkt der Mannschaft.
